MS Tavastland im Hafen

Mitten im Eismeer

 

Jörg Reeh und seine Begleiterin Sabine sind jetzt mitten im Eis. Bis zur finnischen Hafenstadt Oulu sind es noch gut 5 Stunden Fahrt. Für den Decksgang werden jetzt Silbersocken, Silberwäsche und eventuell auch noch Handschuhe benötigt.

 

19 Februar: Eis bis zum Horizont

An Deck warnt an jeder Tür ein Schild „falling ice“. Rundum ist es weiß, Eis bis zum Horizont und dazwischen eine eisfreie Fahrrinne. Einige andere Schiffe sind schon stecken geblieben und warten auf den Eisbrecher.

 

Die MS Tavastland versucht einem russischen Schiff zu helfen, indem sie relativ dicht vorbei fährt. Der Russe setzt leicht zurück und arbeitet sich dann zum eisfreien Kielwasser des Papierfrachters durch und schafft es.

 

Einige Stunden später ist Oulu erreicht. Für den Landgang muss Jörg seine Handynummer beim Kapitän hinterlassen, falls das Schiff früher ablegen sollte. Es ist bitterkalt: minus 20 Grad, der Polarkreis liegt gerade mal 100 Kilometer entfernt. „Im Winter gibt es hier eigentlich nicht viel zu sehen“, sagt Jörg, „wir haben trotzdem ein Taxi ins Stadtzentrum genommen und bei einem Stadtbummel nach klassischer Winterkleidung für Nordlichter gesucht!“ Die beiden Norddeutschen sind froh, dass sie dicke Silbersocken anhaben. Auch die Silber Funktionswäsche ist bei dieser Kälte genau das Richtige, um nicht auszukühlen. Gegen 18.00 Uhr klingelt das Handy: Wegen verstärktem Eisgang wird das Schiff früher in Richtung Kemi ablegen. Das passt, denn die beiden sind gerade auf dem Weg zu einem Taxistand.

Die MS Tavastland legt gegen 20.00 Uhr ab. Nach der Hafenausfahrt verlangsamt sie die Fahrt und etwa eine halbe Stunde später geht es auf demselben Weg rückwärts zurück. Auf der Brücke heißt es: zu starkes Eis, man nehme eine andere Route und habe gleichzeitig den Eisbrecher Kontio angefordert, der bis Kemi voraus fahren werde. Backbord voraus ist der Eisbrecher schon zu sehen, der mit hoher Geschwindigkeit auf die MS Tavastland zufährt. „Dann schwenkt er auf die Fahrrinne ein und fährt uns voraus“, erzählt Jörg. „Wir folgen mit Scheinwerferlicht“. Beim Kapitän erkundigt er sich nach dem Eisschloß von Kemi und wie weit es vom Hafen entfernt sei. Der Kapitän verweist ihn an den Lotsen, der einen Besuch trotz der hohen Eintrittspreise empfiehlt. Doch dazu kommt es nicht, denn wegen des Eises legt die MS Tavastand sehr viel früher wieder ab.

20. Februar: „Pilot off“

Bevor die MS Tavastland um 11.30 Uhr in Kemi ablegt, fährt ein Hafenschlepper über eine Stunde im Kreis durch den Hafen, um das Eis aufzulockern.

 

Sabine und Jörg sitzen in der Messe, denn um 12.00 Uhr gibt es bekanntlich Mittagessen. Vom Fenster aus haben sie einen guten Blick auf die Fahrrinne. Das Knacken des Eises ist merklich leiser geworden, doch plötzlich fährt das Schiff ganz langsam. Einige hundert Meter voraus sieht Jörg auf dem Eis auf der rechten Seite der Fahrrinne einen Motorschlitten. „Mir kam ein Gedanke und ich ließ das Mittagessen stehen, um direkt auf die Brücke zu gehen“, erzählt er. Kurz vor der Brücke kommt ihm der Lotse entgegen und da weiß er, was jetzt kommt: der Lotse geht von Bord – auf die finnische Art! Der Kapitän hätte ja lieber angehalten, aber die Finnischen Lotsen bevorzugen es, während der Fahrt von ein bis zwei Knoten auf das Eis abzuspringen.  Es folgt der obligatorische Funkspruch: „Pilot off“.

 

Der Steuermann dreht wieder auf und das Schiff brettert mit elf Knoten durch das Eis. Es ist entsprechend laut, so dass man für eine Unterhaltung auf dem Messe- und Passagierdeck schon die Stimme heben muss.

21. Februar: Wieder in ruhigerem Fahrwasser

Irgendwann im Laufe der Nacht hört das Krachen des Eises an der Bordwand auf. Alles ist ruhig und auf die Passagiere wartet ein entspannter Tag mit Sauna, Fitness, Deckspaziergängen bis zum Heck und  Spieleabend.

22. Februar: Der Schiffsverkehr nimmt wieder zu

Nachdem die MS Tavastland den Bottnischen Meerbusen wieder verlassen hat, nimmt auch der Schiffsverkehr wieder rasant zu. Auf der Marine Traffic App sieht man einen Haufen blauer Schiffssymbole: Fähren von überall nach überall und alle fahren mit 20 Knoten und mehr durch die Ostsee. Die Reisegeschwindigkeit des Frachters liegt bei 14 bis 15 Knoten. Später drosselt der Kapitän das Tempo auf zehn bis elf Knoten, weil man sonst den Lübecker Hafen zu früh erreichen würde und der Liegeplatz noch nicht frei wäre.

23. Februar: Zurück in Lübeck

Kurz nach 11.00 Uhr nähert sich das Lotsenboot. Der Lotse kommt mit zwei Auszubildenden an Bord. Bis zum Nordlandkai sind es noch gut 20 Kilometer, aber dafür braucht es rund drei Stunden.

 

Nach der Mole von Travemünde wird es eng. Stellenweise sind es gerade mal fünf bis zehn Meter Abstand von der Bordwand bis zur Fahrrinnen-Begrenzung. Kurz vor dem Nordlandkai wird die MS Tavastland gedreht. Dank zweier Bug- und zweier Heckstrahlruder wird kein Schlepper benötigt und das Schiff legt rückwärts an der Rampe an.

 

Sabine und Jörg bedanken sich bei Kapitän und Mannschaft, packen ihr Gepäck wieder in den Kran und gehen von Bord. Beide sind sich sicher: „Das war zwar das erste, aber bestimmt nicht das letzte Mal!“

Gepäck geht von Bord der MS Tavastland

Mit dem Kran wird das Gepäck wieder von Bord gebracht. Fotos/Videos: Jörg Reeh

4 thoughts on “BestSilver im Praxistest

  1. Alles sehr interessant – am besten hat mir das Pilot-off-Video gefallen. Ich hab auch schon viele Lotsen von Bord gehen sehen (Ich meine jetzt auf Schiffsreisen) aber sowas noch nicht.

  2. Guten Abend und herzlichen Dank für die Berichte und Videos. Eine sehr gute Information für unsere 6. Reise mit einem Frachter. Nach den Filmen haben wir keine Bedenken mehr mit einem Ro-Ro Schiff zu fahren. Gerne würden wir Kontakt mit Euch aufnehmen, um noch mehr über diese Reise zu erfahren. Allerdings käme für uns nur eine Sommerreise in Frage.
    Macht nix, ist auch immer schön!

    Liebe Grüße aus Warendorf .

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