Von Katzen, Luxusherbergen und Kampfschnarchern

Pilgern auf dem Jakobsweg

Die Kirche von Belorado. Alle Fotos: Gunter Morgenthal

Noch liegen knapp 500 Kilometer bis Santiago de Compostela vor Gunter Morgenthal. Doch wie für viele andere Pilger auch, ist der Weg das Ziel, denn die Erfahrungen und Begegnungen auf dem Weg sind häufig eine fast noch größere Bereicherung als das Erreichen des Zieles an sich.

Luxus-Herberge in Belorado

Pilgern auf dem Jakobsweg

Wiedersehen mit italienischen Pilgern.

17. Juni: Die 10. Etappe mit 23 Kilometern liegt vor dem Pilger aus dem norddeutschen Buxtehude, die Stadt die es wirklich gibt! Um viertel vor acht geht’s los in Richtung Belorado. An der Kathedrale trifft Gunter Morgenthal drei italienische Pilger wieder, mit denen er in Roncesvalles gemeinsam beim Pilgermenü zusammen gesessen hatte. Ein Stück des Weges gehen sie gemeinsam, unterhalten sich auf Spanisch oder Englisch, lachen viel und machen gegenseitig Fotos. Dann geht es alleine weiter und in Grañón findet sich endlich auch eine Cafeteria zum Frühstücken. Einer der Italiener kommt ebenfalls dort an, setzt sich zu ihm und spendiert einen Kaffee. Eine Katze hockt unter dem Tisch und muss sich übergeben – sehr zur Unterhaltung einer Asiatin, die am Nebentisch sitzt und laut lachen muss. Nach einem Stempel im Credencial (Pilgerpass) macht sich der 55-jährige wieder auf den Weg. Das Wetter ist angenehm und die Landschaft wunderschön. Ein paar Kilometer vor Belorado kommt ihm auf dem Camino ein Auto entgegen, hält an, der Fahrer schenkt ihm eine kleine Flasche mit kaltem Wasser und empfiehlt eine sehr schöne Herberge, die sogar einen Swimmingpool im Garten haben soll.

Pilgern auf dem Jakobsweg

Die Küche in der Herberge hat einen Herd.

Toller Tipp, wie sich zeigt, als er gegen 13.30 Uhr in Belorado ankommt. „Der Mann hatte nicht zu viel versprochen“, erzählt er in seiner WhatsApp. „Ich bekam ein schönes 6-Betten-Zimmer. Allerdings im 3. Stock ohne Fahrstuhl!“ Nach einer erfrischenden Dusche noch schnell die Wäsche von Hand gewaschen und auf dem Balkon aufgehängt. Während sich Gunter Morgenthal in der Küche aus Spaghetti, Eiern und Ketchup, die er nun schon zwei Tage im Rucksack mit sich herum schleppt, ein Abendessen zubereitet,  fängt es plötzlich an zu regnen. Also wie von der Tarantel gestochen wieder ab in den 3. Stock. Die Wäsche ist natürlich klitschnass und Gunter Morgenthal, der sich auf dem glitschigen Boden fast noch hingelegt hätte, ebenfalls. Glück gehabt! Was bleibt, ist eine Wäscheleine über dem Bett zu spannen und die nassen Klamotten dort aufzuhängen. Wieder unten in der Küche ist das Essen natürlich kalt, dafür sind die Gespräche mit den anderen Pilgern umso interessanter.

Pilgern zur Tarta de Santiago

Pilgern auf dem Jakobsweg

Dieser Teil des Aufstiegs in die Sierra de San Millán macht noch Spaß.

Pilgern auf dem Jakobsweg

Noch eine Katze, die die Nähe des Pilgers sucht.

18. Juni: In der Herberge in Belorado wird ein üppiges Frühstück mit Spiegeleiern, Bacon, Orangensaft, Kaffee, Toast und Magdalenas – eine Art spanische Muffins – angeboten. Gut gestärkt macht sich Gunter Morgenthal um 7.30 Uhr auf zu seiner 11. Etappe ins gut 24 Kilometer entfernte San Juan de Ortega. Die feuchten Klamotten hat er mit Wäscheklammern am Rucksack befestigt. Vereinzelte Wölkchen hängen am Himmel, es ist windstill und das Silbershirt reicht wieder einmal aus. Die große Herausforderung kommt nach etwa 12 Kilometern: der steile Aufstieg in die Sierra de San Millán. „Von 800 auf 1.150 Meter“, schreibt Gunter Morgenthal. „ Über 12 Kilometer ging ich sehr lange durch eine breite Waldschneise. Monotonie war angesagt“, doch dank der Silbersocken hätten sich trotzt des anstrengenden Anstiegs noch immer keine Blasen an den Füßen gebildet. Schließlich entdeckt er einen aus Holz geschnitzten Richtungspfeil an einem Baum, der auf die „Oase der Bars“ mitten im Wald hinweist. Eine willkommene Abwechslung und eine gute Gelegenheit, sich ein erfrischendes Bier zu genehmigen. „Während ich auf der Bank saß, kletterte eine kleine Katze zuerst auf meinen Rucksack, um es sich dann auf meinem Rücken bequem zu machen“, erzählt er. Glücklicherweise hat diese Katze keine Magenprobleme!

PIlgern auf dem Jakobsweg

Willkommene Pause in der Oase der Bars

Pilgern auf dem Jakobsweg

Auf dem Weg nach Atapuerca, ist der Pilger froh über feste Wanderstiefel und Socken, die Blasen verhindern.

Als Gunter Morgenthal gegen 13.00 Uhr in San Juan de Ortega ankommt, ist er nicht sonderlich begeistert und beschließt, weitere sechs Kilometer bis nach Atapuerca dranzuhängen. Auf halber Strecke findet er aber schon in Agés eine schöne Herberge, in der Bett, Pilgermenü und Frühstück für 23 Euro angeboten werden. Am Abend sitzt er mit drei Däninnen, einer Schwedin und einem Italiener gemeinsam am Tisch und lässt sich seine Lentejas (Linsensuppe) schmecken. Zum Hauptgang gibt es Schweinefilets mit Lomo con Patatas Fritas (selbstgemachte Pommes) und anschließend ein Stück Tarta de Santiago (der berühmte Mandelkuchen aus Santiago, wo der Jakobsweg endet). Weil der Kuchen unserem Pilger so gut schmeckt, spendiert ihm die freundliche Bedienung gleich noch ein Stück und Gunter Morgenthal verspricht, beim nächsten Mal zur Tarta de Santiago zu pilgern.

Gegen Kampfschnarcher hilft nur leise Musik

PIlgern auf dem Jakobsweg.

Das „Stonehenge“ von Atapuerca

19. Juni: Die Nacht im 60-Betten-Zimmer in der Herberge in Agés ist nicht so prickelnd. Unter den Pilgern ist ein „Kampfschnarcher“. Gunter Morgenthal nimmt es gelassen, setzt sich seine Kopfhörer auf und hört leise Musik, während er etwas belustigt andere Pilger auf der Suche nach einem ruhigeren Schlafplatz beobachtet und darüber dann endlich einschläft. Schon um 5.00 Uhr wird er vom Wecker des Schläfers über ihm geweckt und ist hellwach, während der andere selig weiter schlummert. Auch damit muss man beim Pilgern rechnen!

PIlgern auf dem Jakobsweg.

Kathedrale von Burgos.

Nach einem üppigen Frühstück, geht es kurz nach sieben los: 25 Kilometer bis Burgos. Es ist kühl, ein paar Wolken hängen am Himmel, aber es ist trocken. Kurz vor Atapuerca liegt das „spanische Stonehenge“. Die kleine Gemeinde steht seit dem Jahr 2000 auf der Liste des Weltkulturerbes. Schon 1994 hatte man dort in Höhlen fossile Knochen entdeckt, die der Gattung „Homo“ zugeordnet werden konnten. Gegen 13.00 Uhr erreicht unser Pilger die Altstadt von Burgos und etwa eine halbe Stunde später seine Herberge, die ganz in der Nähe der Kathedrale liegt. Das Zimmer ist im dritten Stock und nachdem Gunter Morgenthal dreimal die Treppe genommen hat, stellt er erleichtert fest, dass es auch einen Fahrstuhl gibt.

„Seit Tagen wird es nie wärmer als 20 Grad“, schreibt er uns via WhatsApp. „Auf dem Weg habe ich damit keine Probleme“, nach dem duschen habe er aber innerlich gefroren, drei T- Shirts übereinander angezogen und sich im Schlafsack für eine Stunde auf’s Ohr gelegt. Danach ist er wieder fit, die gotische Kathedrale, die der Jungfrau Maria geweiht ist und ebenfalls zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, zu besichtigen und ein Gasthaus für das obligatorische Pilgermenü zu suchen.

Anmerkung der Redaktion: Alle Etappen von Gunter Morgenthal auf dem Jakobsweg finden Sie hier [https://blog.bestsilver.de/category/live-vom-jakobsweg/].

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